Archiv für den Monat: April 2010

Unsere Argumente für eine Überprüfung und Neubewertung

Argumente für eine Überprüfung und Neubewertung des Planungsvorhabens  Neubau Abendrealschule und Anwohnerquartiersgarage Franklinstraße 41-43 Düsseldorf-Pempelfort

I. Ausgangslage

Die Abendrealschule Hermann-Harry-Schmitz-Weiterbildungskolleg benötigt einen geeigneten Standort für ca. 500 (erwachsene) Schüler. Der Stadtrat hat vergangenen Mai die Planung und Kostenschätzung für den Neubau einer Abendrealschule und Anwohnerquartiersgarage in der Franklinstraße in Pempelfort beschlossen.

Der Neubau soll als Blockrandbebauung entlang der Straße entstehen. Die Anwohnerquartiersgarage ist auf 2 Ebenen unterirdisch unter dem Platanen-Vorhof geplant. Dabei würde der jetzige Vorhof zur Straße hin zugebaut. Die jetzt vorhandenen ca. 70 Schulparkplätze und die über 100 Jahre alten eindrucksvollen Platanen gingen verloren. Die auf den ersten Blick „stimmige“ Bauherrenvorlage hält jedoch einer genaueren Betrachtung nicht stand.

II. Konsequenzen für die Franklinstraße

a) städtebaulicher Aspekt

Es handelt sich um keine Baulücke sondern um eine besondere städtebauliche Situation. Die beiden gegenüberliegenden grünen Vorhöfe in Straßenmitte sind kein Zufall. Sie wurden vor 100 Jahren mit ihrer historischen gründerzeitlichen Bebauung mit dem Baudenkmal auf der einen und dem denkmalwürdigen Schulgebäude auf der anderen Seite bewusst als Bau-Ensemble in dieser Form angelegt. Dieses macht den besonderen Reiz der Straße aus. Beide Gebäude liegen, entgegen der Verwaltung, auf einer Achse und die mittlere Platanenreihe fluchtet in die Mitte beider Höfe. Das stadtbildprägende Ensemble würde durch den neuen Querbau endgültig zerstört.

Das Schulgebäude hat zudem eine besondere Bedeutung als Erinnerungsort. In der NS-Zeit war das jetzige VHS-Gebäude zunächst ein Kriegsgefangenenlager für ca. 500 italienische Kriegsgefangene, später für „Ost-Arbeiter/ innen“ aus Russland und der Ukraine. Bei einem Luftangriff kamen im Luftschutzkeller etliche Anwohner und Kinder des Kindergartens ums Leben. Nach dem Krieg war das Gebäude ein DP-Lager der Alliierten. Das Stadtquartier weist eine hohe Bevölkerungsdichte und bereits jetzt stark verdichtete Bebauung auf mit Anbauten und Hinterhäusern und überschreitet bereits jetzt die Obergrenzen der GFZ (Geschossflächenzahl) um ca. 30 %. Der grüne Vorhof mit seinen 8 gesunden über 100 Jahre alten 25 Meter hohen Platanen ist für das Stadtquartier als grüne Ausgleichsfläche von Bedeutung. Diese „grüne Oase“ im Quartier hat erhebliche Bedeutung für die Wohnqualität und eine familienfreundliche Stadt und würde mit der Umsetzung des Planvorhabens im wörtlichen Sinn „verstellt“. Bei einer Neubebauung und Unterkellerung des Schulhofs ginge diese „grüne Oase“ unwiederbringlich verloren.

Grundlage ist der Durchführungsplan Nr. 5578/27, der nach dem Krieg aufgestellt wurde, wie es im Textteil heißt: „Zur Verringerung der Schulraumnot …“. Dieser Bebauungsplan, aus der Zeit vor Einführung des Bundesbaugesetzes (BBauG), ist heute nicht mehr zeitgemäß.

Gerade städteplanerische Gesichtspunkte, aber auch ökologische und historische Überlegungen sollten zu dem Ergebnis führen, die bisherige Bebauung nicht anzutasten bzw. nicht weiter zu verdichten. Dem Anspruch „ökologische Stadt“ würde Düsseldorf mit dem Erhalt dieses Kleinods in der Franklinstraße am ehesten gerecht.

b. Abendrealschule

Wir haben mit 3 Schulen in der kleinen, schmalen Franklinstraße bereits jetzt eine Standorthäufung. Die Abendrealschule wäre die 4. Schule in der kleinen Straße. Am Standort VHS (schulische Weiterbildung) verdoppelt sich die Schülerzahl von ca. 500 auf ca. 1000 zuzüglich der Lehrkräfte. Die Folge ist eine zusätzliche Belastung durch Verkehr und zusätzlicher Stellplatzbedarf bei gleichzeitigem Verlust von 70 Stellplätzen im Vorhof.

Weder die VHS noch die Abendrealschule wollen diese Standortsituation. Beide Schulen wurden in die Standortüberlegungen nicht ausreichend einbezogen.

c. Verkehrs- und Parkplatzsituation

Bei der VHS und Abendrealschule handelt es sich um volljährige Schüler, von denen viele das Auto benutzen. Die gegenwärtig ca. 70 Stellplätze für die VHS entfallen bei der Neubebauung. Durch die neue 4. Schule wird zusätzlicher Verkehr bis in die Abendstunden in die kleine Franklinstraße hineingezogen und es entsteht erheblicher zusätzlicher Stellplatzbedarf für 1000 Schüler. Im Zuge der Neubebauung würden 90 Stellplätze in der Anwohnerquartiersgarage entstehen, 70 bisher vorhandene Stellplätze im Vorhof gingen aber verloren. Durch den Stellplatzbedarf beider Schulen ergibt sich gegenüber der jetzigen Situation ein deutliches Minus.

Das Ziel, die Parkplatzsituation für die Anwohner zu verbessern, wird durch das Neubauvorhaben nicht erreicht. Die Verkehrs- und Parkplatzsituation würde sich deutlich verschärfen.

III. Weshalb der Plan der Verwaltung der Stadt Düsseldorf neu überdacht und nach Alternativen gesucht werden sollte

  • Der Standort Franklinstraße verkraftet die zusätzliche intensivere Nutzung und Bebauung nicht.
  • Es handelt sich um keine „Baulücke“ sondern um eine besondere stadtbildprägende städtebauliche Situation.
  • Der Vorhof mit 8 über 100-jährigen Platanen ist als „grüne Oase“ wichtig als Ausgleichsfläche für die verdichtete Bebauung im Quartier (GFZ wird bereits um ca. 30 % überschritten).
  • Das Zerstören dieser „grünen Oase“ konterkariert das Düsseldorfer Maßnahmenprogramm Klimaschutz: „Die Schöpfung bewahren“.
  • Die Zerstörung des denkmalwürdigen Ensembles und die „Verstellung“ eines Ortes mit besonderer Historie ist kein Beitrag zur notwendigen und politisch gewünschten Erinnerungskultur. Es ist zu wünschen, die Stadtteil-Geschichte im Wohnquartier öffentlich zu machen.
  • Eine erhaltenswerte städtebauliche Situation würde vernichtet.
  • Die Wohn- und Lebensqualität für Kinder und Familien verschlechtert sich im Wohnquartier.
  • Der Bebauungsplan wurde nach dem Krieg aufgestellt „Zur Verringerung der Schulraumnot …“. Der B-Plan ist heute nicht mehr zeitgemäß und sollte neu aufgestellt werden mit dem Ziel, die historische, grüne, besondere städtebauliche Vorhofsituation zu erhalten.
  • Es wurden in dieser Zeit viele städtebaulichen Fehler gemacht. Diese städtebaulichen Fehler sollte man in 2010 nicht wiederholen.
  • Das Wohnquartier Franklinstraße wäre mit 4 Schulen überproportional belastet.
  • Die Parkplatzsituation würde sich trotz Anwohnerquartiersgarage auf Grund des zusätzlichen Stellplatzbedarfs der Schulen und Wegfall von 70 bestehenden Stellplätzen nicht verbessern sondern deutlich verschärfen.
  • Die behauptete Synergie zwischen VHS und Abendrealschule ist nicht durch Fakten belegt. Es wäre ein Votum der betroffenen Schulen einzuholen.
  • Es sind Standort-Alternativen zu finden, die dem berechtigen Interesse der Abendrealschule wie auch der Anwohner der Franklinstraße gerecht werden. Die Prüfung der Standort-Alternativen sollte transparent gemacht werden. (z. B. Schulen werden in den nächsten Jahren geschlossen / leer stehende Gebäude des Landes / Büroleerstand Düsseldorf 1 Mio. qm).
  • Bei Kosten von gegenwärtig ca. 8,3 Millionen Euro (+/- 30%) dürften alternative Lösungen möglich sein, bei denen die Zerstörungen und Belastungen vermieden werden könnten.

Aus politischen, aus finanziellen, aber vor allem auch aus städtebaulichen Gründen bedarf das vorgesehene Planungsvorhaben einer  erneuten Beratung und Beschlussfassung im Rat der Stadt Düsseldorf. Dort sollte dem in den vorgetragenen Argumenten gebündelten Bürgerwillen aus dem Wohnquartier Franklinstraße wie dem gesamten Stadtteil Rechnung getragen werden.

Argumentationsliste als PDF zum Herunterladen.

Rheinische Post 20.04.2010

Am 20.04.2010 ist in der Rheinische Post folgender Artikel veröffentlicht worden:

Franklinstraße: Ortstermin mit Anwohner−Initiative

Pempelfort (ch) Morgen um 11 Uhr besuchen einige Mitglieder des Anregungs− und Beschwerdeausschusses die Franklinstraße 41−43. Anlass des Ortstermins ist der Protest einer örtlichen Bürgerinitiative, die sich gegen einen Neubau auf dem Gelände der dortigen Volkshochschule wehrt. Auf dem Vorhof der VHS soll die Abend­realschule Hermann−Harry−Schmitz−Kolleg künftig residieren, die bislang noch Untermieter des Gymnasiums an der Rückertstraße ist.
Die Anwohner befürchten, dass durch den Neubau ein städtebauliches Ensemble aus dem vergangenen Jahrhundert zerstört wird, denn direkt gegenüber befindet sich ein historischer Vorhof gleichen Zuschnitts, beide Plätze bilden eine Achse. Die dichte Bebauung an der Franklinstraße vertrage kein weiteres Schulgebäude, außerdem müssten acht Platanen von rund 25 Metern Höhe gefällt werden, womit eine wichtige grüne Oase im Viertel fortfiele. Die Initiative will im Anschluss an den offiziellen Teil an einem Stehtisch über ihr Anliegen informieren.

Quelle: Rheinische Post Autorin: Christine Zacharias

Rheinische Post 17.04.2010

Am 17.04.2010 ist in der Rheinische Post folgender Artikel veröffentlicht worden:

Streit um Quartiersgarage:
Mittwoch Ortsbegehung

(jeni) Der Neubau für die Abendrealschule an der Franklinstraße ist umstritten. Im Anregungs− und Beschwerdeausschuss waren zuletzt die Anwohner der Franklinstraße, die um einen alternativen Standort baten, vertreten. Am Mittwoch, 21. April, ist eine Ortsbegehung durch die Mitglieder des Ausschusses geplant. Die Partei Bündnis 90/Die Grünen halten den bisher geplanten Standort für zweifelhaft. In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Dirk Elbers haben sie jetzt erneut um alternative Vorschläge gebeten, da bisher von der Verwaltung keine genannt wurden.

Quelle: Rheinische Post    Autorin: Jennifer Koch